Mittendrin

Ich stehe da, in der Mitte eines Platzes und bin unfähig mich zu bewegen. Von allen Seiten fahren Autos langsam rückwärts auf mich zu, sie werden mich zerquetschen. Das penetrante Piepen, das dabei von ihnen ausgeht und signalisiert, dass sich diese vierrädrigen Fahrzeuge rückwärts bewegen wird immer lauter und schriller. Ich hasse dieses Geräusch. Erst als die Autos mich schon fast erreicht haben, fällt mir intuitiv ein, wie ich das Ganze beenden kann:

Ich hebe die Hand und schlage ohne hinzu schauen zu.

Der Schlag zeigt seine Wirkung sofort, das Piepsen ist verschwunden und hallt nur noch in meinen geplagten Ohren nach, die Autos fahren wieder vorwärts und von mir weg.

Wirre Gedankenfetzen und psychedelisch bunte Bilder und Farben ziehen an mir vorbei – bis mir mit „ Hast du deinen Wecker nicht gehört“ die Bettdecke weggezogen wird.

Ich hasse solche Leute – auch wenn ich ohne sie wahrscheinlich immer überall zu spät kommen würde. Und ich hasse piepsende Wecker – ich will wieder einen vibrierenden, tiefgrummelnden Handywecker, der mir auf den Kopf fällt – und mich weckt.

1.9.07 10:08


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Alltag

Jeden Morgen die gleiche Eile, jeden Morgen stehe ich zu spät auf und hetzte in Richtung Zug, verpasse den Bus, sehe also nur die Schlußlichter, gehe deshalb zu Fuß zum Bahnhof, wo der Zug wie so oft Verspätung hat, so dass ich zum Bus rennen muss, der manchmal schon an der roten Ampel steht, aber der Busfahrer ist nett und lässt mich noch rein, rein in den überfüllten Bus, ohne viele freie Plätze, was die Folge hat, dass ich weil ich vorwärts sitzen will den Platz neben komischen Leuten erhalte, die dann meistens im Verlauf der vielen Haltestellen irgendwo aussteigen, und ich endlich Platz habe und wenn ich schließlich vor der Schule aus einem mittlerweile gerappelt vollem Bus aussteige, schon jede Menge erlebt habe, was sich aber dennoch in einem langen Satz beschreiben lässt.

1.9.07 10:09


Seltsame Konsequenzen der Faulheit

Ich fahre Bus, und zwar länger, muss beim umsteigen warten, hätte genügend Zeit irgendwelche Hausaufgaben zu machen oder eine Schullektüre zu lesen, aber ich habe keine Lust und lasse es. Ich habe viel zu viel Zeit, in der ich mich berieseln lasse, nur Musik höre, aus dem Fenster schaue, und nicht immer das Gleiche sehe, während ich mir Gedanken machen kann. Ich kann meinen Gedanken freien Lauf lassen, einfach nur denken, um Eckn und Kanten denken und Phantasieren. Die Gedanken fließen lassen, nicht beeinflussen, nicht unter Zeitdruck setzten und dann, dann denke ich hätte ich doch gelernt. Dann wären mir nämlich ganz viele Gedanken nicht gekommen, ich hätte nicht die Zeit gehabt über dieses und jenes derart detailliert nachzudenken gehabt, wie ich sie gehabt habe und wäre nun nicht so deprimiert. Und trotzdem mache ich diesen Fehler dauernd.

1.9.07 10:09


Wofür man lebt

Da läuft man barfuß und musikhörend durchs Haus, denkt sich gar nichts Böses, und überlegt ob sich Fragen unter den bloßen Füßen

Ich bin gestern, als ich barfuß war,
auf einer Frage ausgerutscht

eher wie Bananenschale oder wie noch warmer Kuhfladen anfühlen.

Sie sagte: "Schön, mal wieder bei dir zu sein."

Seit wann reden Fragen mit mir? Wollen sie mich zum antworten zwingen? Oder glauben sie etwa

und begann ein Selbstgespräch.

Schon von vornherein Alles zu wissen. Antworten auf Fragen zu wissen, wo ich noch nicht einmal die Frage und deren Inhalt kenne bzw. verstehe. Anscheinend hat die Frage Antworten parat, jede Frage bringt Antworten und neue Fragen.

Dass es kein Vorwärts und kein Rückwärts gibt,
weil es nicht mehr als 'ne Täuschung ist,


Kein Vorwärts? Kein Rückwärts? Befinden wir uns also im Stillstand, ich glaube ja an die Kraft der Veränderung…

Alles nur Täuschung? Wir leben gar nicht? Uns gibt es gar nicht? Bloße Einbildung? Ich glaube aber dass ich echt bin. Und daran zweifele ich nicht. Beweiden kann ich das nicht, aber solch elementare Sachen werden als Axiom, das wir nicht beweisen brauchen, vorausgesetzt.

warum sich alles nur im Kreis bewegt

Alles nur im Kreis. Kein Anfang und kein Ende. Alles sinnlos, oder? Doch auch kleine Kreise im Wasser werden einmal groß, Kreise können Welten umfassen, Kreise haben etwas symmetrisch – beruhigendes an sich und geben Halt

und wofür man eigentlich lebt.

Die ernsthaft existenzbedrohende Frage. Doch wen interessiert die Antwort? Denn die muss jeder für sich finden. Leben um einfach zu Leben

wofür man lebt.. wofür man lebt..

Um aus Kreisen auszubrechen, seine eigenen Wege zu gehen, und sein Leben zu Gestalten.

Dass es kein Gestern und kein Morgen gibt,

Gestern und Morgen, wir leben zwar im jetzt, und „Über Vergangenes spricht man nicht“ hilft beim verdrängen, aber nicht beim fortschrittlich sein. Spießerfrei nur im jetzt leben, nur für den einen Moment, und Morgen sehen, was man alles angerichtet hat. Folgen seien bedacht, und Fehler der Vergangenheit sollten beachtet werden.

weil's nicht mehr als 'ne Täuschung ist,

Unser Leben, unsere Existenz, unser Gedankenwussel, unsere Ängste und Fragen, Hoffnungen und Sehnsüchte als Täuschungen aufzufassen ist irreal. Dreist. Wer sagt, das es nicht eine Täuschung ist, dass Wort Täuschung, was da steht – ist doch gar nicht echt da. !?

warum sich alles nur im Kreis bewegt

Kreise. Kreise. Kreise. Kreise.
Leise. Leise. Leise.
Falle bloß nicht auf im Meer
Falle bloß nicht auf im mehr
Der Kreise
Und sei doch trotzdem
Ein 17-Eck

und wofür man eigentlich lebt

 
Schon wieder diese Frage. Leben wir für Geld? Für Wissen? Für Selbsterfüllung? Oder um die Konstruktion des 17-Ecks zu verstehen?

 

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Anmerkung: Der kursive Text stammt aus Die toten Hosen – Wofür man lebt

4.9.07 22:38


Schule, Klausuren und Co

Ich lerne. Ja und kein Scherz. Ich lerne für meine Lk-Klausuren. Vielleicht ist doch völlig übertreiben, vielleicht auch untertrieben. Ich weiß es nicht. Und dieses Nichtwisssen, dieses Nicht-Einschätzen-Können; Was wollen die jetzt von dir??? ist es, was mich dazu antreibt. Und so habe ich auf jeden Fall schon einmal eine Wochenendbeschäftigung gefunden. Prima, nicht wahr?

Unglaublich spannend, und ätzend.

Aber wenigstens macht das lernen von der Thematik Spaß.

Mathe und Physik  

14.9.07 20:57


Klausur

Und dann hasst du Klausur geschrieben. Siehst außer a's und t's und komsichen Funktionenästen, taschenrechner befehlen, polstellen und symmetrein nix anders mehr. Und fertig bist du auch, mit der Und der welt, der welt der Zahlen un der echten welt. *grrr* und aufregen tust du dich auch weil mathe eigentlich ganz chillig sein sollte....

und eigentlich weißt du das es ganau das ist was du gesuchst hast, ein bisschen mehr anspruch. und den hast du gefunden...

vor allem wenn andere die Klausur einfach fanden ; und du nicht.

*grrrrrrrrrrrrrrr*

Und jetzt so seltsam demotiviert, verängstlicht und ohne jedes Selbstvertrauen beginnen für Physik zu lernen, und verzweifeln. Und hoffen das morgen nicht alles noch schlimmer wird...

18.9.07 14:53


Das seltsame Auge

"Es ist wahr! Nervös, schrecklich nervös war ich und bin ich noch; aber weshalb soll ich wahnsinnig sein? Mein Übel hatte meine Sinne nur geschärft, nicht zerstört oder abgestumpft. Vor allem war mein Gehörsinn außerordentlich empfindlich geworden. Ich hörte alle Dinge, die im Himmel und auf der Erde vor sich gingen, und auch vieles, was in der Hölle geschah. Wie könnte ich also wahnsinnig sein? Hören Sie nur zu, wie vernünftig und ruhig ich Ihnen die ganze Geschichte erzählen werde. Ich kann nicht mehr genau sagen, wie mir zuerst der Gedanke kam, doch als er einmal gekommen, quälte er mich Tag und Nacht. Einen Zweck verfolgte ich nicht, auch trieb mich kein Hass. Ich hatte den alten Mann lieb. Er hatte mir nie etwas Übles getan, er hatte mich nie beleidigt. Ich trachtete auch nicht nach seinem Golde. Nur – sein eines Auge reizte mich. Ja sein Auge muss es gewesen sein! Es glich dem eines Geiers - war blaßblau und von einem dünnen Häutchen bedeckt. Wenn sein Blick auf mich fiel, war mir stets, als gerinne das Blut in meinen Adern und so entschloß ich mich denn allmählich…" (von Edgar Allan Poe)

…das Geheimnis seines rechten Auges, das nicht von dieser Welt sein konnte, zu lüften. Der alte Mann wohnte ganz in unserer Nähe, auch wenn man einen weiten Weg zu ihm hatte, da sich sein Gehöft in mitten eines Sumpfes befand Nur diejenigen, die sich dort genausten auskennen oder einen ortskundigen Führer bei sich haben, diejenigen haben die Möglichkeit nicht in den ewigen Sümpfen zu verschwinden. Ich jedoch kenne den Sumpf vom klein auf.

Womit habe ich dieses Schicksaal verdient? Bald würde die Sonne untergehen…

Oft hatte ich den Alten, dessen Hof immer von schwarzem Rauch umgeben war, besucht, war als Kind sogar wochenlang bei ihm gewesen, wenn mein Vater, ein armer, von Stadt zu Stadt reisender Händler, wieder einmal durchs Land zog. Der alte Mann lehrte mich zu lesen und zu schreiben, ich hörte seinen Geschichten begeistert zu, Geschichten von früher und heute, von der Pest, und ich fragte immer wieder: „Was ist das, dieser schwarze Rauch, der hier alles umgibt?“ Doch seine Antwort verlor sich jedes Mal in ungenauen Andeutungen, in Ausflüchten und Schweigen, und je mehr Rauch über dem Haus lag um so eisgrauer, und bedeckter war sein eines Auge.

Heute arbeitete ich bei ihm, führte ihm den Haushalt, putzte alle Räume, bis auf den, zu welchem mir der Zutritt untersagt war und konnte stundenlang seine dicken Bücher bewundern, in Leder gebunden standen sie in großen Schräken, sie mußten von unglaublichem Wert sein – was würde ich dafür geben eines von Ihnen in der Hand zu halten.

Doch jedesmal wenn ich sie voller Sehnsucht anblickte, starrte mich das Auge des alten Mannes, das ich doch so fürchtete, an. Wie ein Luchs bewachte er die Schriften.

Unser kleines Dorf, eher eine Ansammlung einer Häuser, lag sehr abgelegen, nie verirrten sich die reichen Herren in diese Gegend der Einsamkeit und der zahlreichen Mücken, die nicht nur die Sümpfe bevölkerten, sondern immer allgegenwärtig waren.

Ich hätte stutzig werden müssen, sehr stutzig, als der Würdenträger der Region auftauchte, hoch zu Ross, eingehüllt in Weihrauch und das Klappern eines Rosenkranzes, um nach dem alten Mann zu verlangen. Ich selbst führte ihn durch die Sümpfe.

Ich hatte die Herren bekocht, und als sie nach dem Essen bei einem selbstgebrannten Schnaps beieinander saßen, sah ich die Möglichkeit gekommen, endlich einmal eins dieser Bücher aufzuschlagen.

Sie waren voller Formeln und Skizzen, seltsamer Piktogramme und Zeichnungen, versehen mit kleinen, erklärenden Texten. Die Kunst des Goldes, Gold und schwarzer Rauch. Bilder zogen an mir vorbei, Bilder des ewigen Reichtums, des unbeschwerten Lebens, und dann die Frage: Was wollte der Alte damit? War er nicht schon reich genug? Und was wollte sein Freund mit dem Gold? Predigten sie nicht immer, dass die Herstellung von Gold Teufelswerk sei?

Ich spürte die Gefahr in die ich mich begab, als ich den verbotenen Raum betrat. Kessel mit Flüssigkeiten dampften, mit flüssigem Gold. Schwarzer Rauch stieg aus ihnen empor, der einen Geruch des Glückes mit sich trug. Genußvoll atmete ich ihn ein, stand still und staunte.

Als ich die schweren, sich nähernden Schritte hörte, ahnte ich Schreckliches, in diesem Raum gab es weder Verstecke noch einen zweiten Ausgang.

„Nein, geben sie mir nur das Gold. Natürlich spreche ich Sie von aller Schuld frei, Gott segne sie. Und, nein, ich betrete ihr Laboratorium nicht. Gier wird sofort bestraft, wer das flüssige Gold sieht, dessen rechtes Auge wird eisgrau und trüb.“

Ich wollte mich unbemerkt hinausschleichen doch, „Du, schau mir in die Augen“, er sah mein getrübtes Auge, er begann zu schreien.

„Kind, ich wollte dich schützen. Dieses Geheimnis ist zu gefährlich. Wärest du doch nur meinen Anweisungen gefolgt“, murmelte der Alte mit zitternder Stimme.

Doch der hohe Würdenträger keifte: „Sie ist verrückt! Sie ist des Wahnsinns! Der Teufel ist in sie gefahren, die Gier nach Gold hat ihre Seele geschwärzt. Sie wird uns alle vernichten, wenn wir ihr nicht zuvor kommen und den Teufel in ihr vernichten, so dass ihre arme Seele doch noch Frieden finden kann!“

Die ersten Sonnenstrahlen durchbrachen die Dunkelheit, das Holz war gesammelt worden, man war bereit mich wie eine Hexe zu verbrennen um die Dämonen des Goldes zu vertreiben.

Die Angst hatte mich gepackt, aber ich war nicht wahnsinnig, ich hatte meine Geschichte erzählt, und dann brannte das Feuer, doch ich spürte nichts, ich sah nur Himmel und Hölle und wußte, dass die Unschuldigen auch irgendwann Gerechtigkeit erfahren werden.

22.9.07 13:20


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