Das Platt stirbt...

Kaum einer redet noch platt, kaum einer lernt es. Bis auf wenige Wörter die wie Köpper und bedröppelt in unseren Wortschatz eingegangen sind, geht alles verloren. Ich verstehe zwar platt meißtens, aber selber reden - Fehlanzeige. Eigentlich schade.
4.8.07 15:35


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Sprachlos

Manchmal gibt es soviel zusagen, und es fehlen einem die Worte, die Gedanken haben sich verfangen und drehen einfach nur im Rad. Ohne Ausweg. So viel offene Fragen, so viel zu sagen und nie mehr die Möglichkeit dazu. Nur die Zeit bewegt sich noch, nur die Zeit, die vergeht, hilft weiter.
11.8.07 12:01


Freiheit

Dort wo die Freiheit wohl grenzenlos sein muss…

 

Er starrte in das immer heller werdende grau, lila, rot, oder wie auch immer dieser Farbton zu bezeichnen war, der langsam das schwarz der nacht verdrängte. Langsam wurde der Himmel am Horizont heller, die Schemen der Nacht verschwanden mehr und mehr.

Es war eine laue Sommernacht gewesen, und trotzdem hatte es Tau gegeben, die Bank auf der er saß war klamm, genauso wie seine Kleidung.

Er wußte nicht wo er sich befand. Während die ersten Sonnenstrahlen über den nahe gelegenen Wald streiften, trank er seine erste Tasse Kaffee – und dachte an seine Freunde, die wohl ganz gewohnt ihrem Tagwerk nachgingen.

Es war Montag gewesen, wieder einer von diesen schrecklichen Montagen, die ganz am Anfang einer langen Woche lagen. Anstatt wie immer in den Bus zu steigen, war er zum Bahnhof gegangen, war Zug gefahren, ohne Ticket, und so lange bis ihm der Wald gefiel.

Erst lief er langsam durch den Wald, spürte jeden Ast und jeden Grashalm unter seinen nackten Füßen, bald jedoch begann er zu joggen, bis er schließlich rannte. Ohne Ziel und querfeldein, ohne Grenzen, ohne vorgeschriebene Wege zu beachten, über umgekippte Bäume, über kleine Bäche, er blieb nur stehen, um zu schreien und zu brüllen. So wie es ihm in den Sinn kam, laut und befreiend.

„Jeder würde denken, ich wäre ein Spinner. Vielleicht bin ich ja auch einer“, sagte er sich und lief weiter, scheuchte einige Rehe auf, „was für wunderschöne Tiere.“ Er versuchte erst die Gangart eines Pferdes zu imitieren, dann die der Rehe. So lief er ohne zu Ermüden, ohne Nachzudenken, hatte bald das Gefühl ganz eins zu sein mit dem Wald, wenn er auch nicht leugnen konnte, das es lächerlich war, als Mensch, als erwachsener Mensch, zu versuchen wie ein Pferd zu traben. Er war schon lange keine drei mehr…

„Warum in Gottes Namen rennen Sie hier wie ein Wilder durch den Wald? Sie verscheuchen die ganzen Rehe! Ach, übrigens, Guten Morgen!“

Erschrocken blieb er stehen, sah dann jedoch das von dem hutzligen Männchen keine Gefahr drohte, weigerte sich zu antworten und begann weiterzujoggen.

„Laufen Sie etwa vor sich selbst davon?“, rief ihm der alte Mann hinterher, doch er reagierte nicht.

Bald jedoch hatte er diese Begegnung gänzlich vergessen, doch der Förster erinnerte sich noch lange an diesen Sonderling, dessen verzweifeltes Gebrüll im Abstand einiger Minuten immer wieder in immer größerer Ferne zu hören war, bevor es sich ganz in den Geräuschen des Waldes verlor.

Auf einmal stand er vor einem See, in dessen Nähe ein reißender Gebirgsbach gluckerte, und sein Lied sang, und einige schon etwas marode wirkende Boote dümpelten am Ufer des stillstehenden Gewässers vor sich hin.

 

Boot fahren, einfach treiben in den ungeheuren Wassermassen verloren sein, gegen die Naturkräfte ankämpfen, bis ans Äußerte gehen, und noch weiter.

 

Er schob ein Boot ins Wasser, in  ergriff ein Paddel, und sprang hinein. Das Wasser war eiskalt, herrlich lebendig und erfrischend, auch wenn seine Füße schon nach kurzer Zeit blau wurden. Die Boote waren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht für den Fluß gedacht, er hatte das Schild „Vorsicht, Lebensgefahr“ ganz bewußt übersehen, wie schon so oft in seinem Leben.

 

Die Strömung riss ihn über spitze Steine, kleine Wasserfälle hinab, und es kostete ihn Kraft und Mühe nicht aus der Nußschale zu fallen. Das gluckern und Glucksen des Baches, die spritzenden Wassertropfen, das Rauschen des Baches, dies war unbeschreiblich. Ab und an blieb er an Felstücken hängen, dann schlug er so lange mit dem Paddel auf das Wasser und seine weitere Umgebung ein, bis er wieder frei kam. Nicht, dass diese Methode sonderliche effektiv gewesen wäre, aber er mochte sie. Fanatisch paddelte er und kämpfte sich seinen Weg mit der Strömung, und fühlte sich frei und endlich nicht mehr eingesperrt. Das Rauschen des Baches wurde lauter, und die Strömung an den zahlreichen Stromschnellen stärker. Verbissen kämpfte er sich seinen Weg bis er auf einem Stein auflief, das Boot bleib hängen, er zog und zerrte verzweifelt – da löste es sich endlich – und er sah den Grund des Rauschens, einen größeren Wasserfall. Das Wasser stürzte ohne Halt in die Tiefe, wie weit vermochte er nicht zu sagen. Ihn interessierte auch nicht wie tief das Wasser wohl stürzen würde. Vielmehr beschäftigte es ihn, ob die Wassermassen allein oder mit ihm gemeinsam den freien Fall antreten würden. Er bemühte sich an den Rand eines Ufers zu bekommen, begann hektisch und ohne System zu paddeln, doch die Strömung hatte ihn nun ganz gefangen. Verzweifelt schlug er mit dem Paddel aufs Wasser, paddelte nun ohne Kraft, merkte es nicht und beschloß möglichst bald zum nächsten Bahnhof zu laufen, und Zug zu fahren, zurück, zurück gen Heimat, zurück zu seinen Freunden. Die Paddelzüge verloren immer mehr an Kraft, so fern das noch möglich war, bald hatten ihn die gesamten Wassermassen umschlossen, er fühlte das eisige Wasser überall um sich herum, er war völlig durchnäßt und entkräftet. Er spürte die reißende Strömung und den starken Sog, der ihn in Richtung Abgrund zog und immer stärker wurde. Dann blickte er hinab, und entdeckte weit unten in der Tiefe, sein Boot, das von immer neuen, herunterfallenden Wassermassen immer wieder untergedrückt wurde.

23.8.07 21:37




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